Flensburger Folkeboot Flotte                                       

 

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Die Geschichte des Folkebootes

 

 

DAS FOLKEBOOT - AUF DEN SPUREN EINES MYTHOS!

„Folkboat forever“, „Back to the roots“ „Think small“ - „Weniger ist mehr“...dies sind nur einige der Schlagworte, mit denen Folkeboot Segler rund um den Globus das Phänomen ‚Folkeboot’ enthusiastisch und liebevoll umschreiben. Das 7.64m lange robuste 3-Mann Kielboot, mit seinen 2 t Gewicht, seinem langen Kiel und seinen nur 24 m² Segelfläche, ist heute, 60 Jahre, nachdem das erste Folkeboot vom Stapel lief, eine der traditionsreichsten und beliebtesten Einheitsklassen der Welt.  Über Generationen hat diese geniale Konstruktion für die eingeschworene Gemeinschaft ihrer Liebhaber nichts an Attraktivität verloren und immer neue Freunde dazu gewonnen. Dies ist sicherlich vor allem der Verdienst seiner beiden „Väter“, des Schweden Tord Sunden, des ursprünglichen Konstrukteurs und des Dänen Eric Andreasen, „Mr. Folkeboot“ wie er heute ehrfürchtig genannt wird, der 1977 dem GFK-Rumpf zum Durchbruch verhalf. Kunststoff als preisgünstigeres Baumaterial sicherte damals, als die Kosten für Vollholz-Folkeboote immer unerschwinglicher wurden, das Überleben dieser Klasse. Seit 1942 wurden weltweit ca. 5000 Folkeboote gebaut, von denen derzeit noch 4500 registriert sind. Im Jahr 1977 gab es allein in Dänemark 100 Neubauten mit GFK Rümpfen, von denen auch einige nach Deutschland verkauft wurden. Der Reiz des Folkebootes liegt vor allem in seiner Vielseitigkeit. In einem Artikel aus Anlass des 60-jährigen Bestehens dieser Klasse wird sie beschrieben als idealer Kompromiss zwischen Schnelligkeit, Seetüchtigkeit, Komfort, Anschaffungs- und Unterhaltskosten, als ein Schiff, in dem alt und jung gleichberechtigt miteinander und gegeneinander antreten können, das in jedem Hafen immer noch einen Platz findet, das ideal fürs Familiensegeln geeignet ist und auch als Einhandboot taugt - eine geniale Konstruktion eben. Der  Flensburger Segel-Club beheimatet im Jahr 2002 eine Flotte von 25 Booten. Die einzige Einheitsklasse dieser Größenordnung im Verein. In ganz Deutschland segeln derzeit ca. 800 Nordische Folkeboote von denen 448 in der „Deutschen Folkeboot Vereinigung“ organisiert sind. In Skandinavien gibt es rund 3800 Schiffe und selbst in San Francisco findet sich eine beachtliche Flotte.

 

 

 

 

   
DER INTERNATIONALE WETTBEWERB: KEIN PREISWÜRDIGER ENTWURF?!

Das erste Folkeboot lief am 23. April 1942, also mitten im 2. Weltkrieg, in Göteborg (Schweden) vom Stapel. Der Riss des Folkebootes war Ergebnis eines internationalen Wettbewerbs, den der skandinavische Segler-Verband 1940 auf Initiative der "Kgl. Göteburgischen Segelervereinigung" (G.K.S.S.) und ihres Commodores, des Reeders Sven Salén, ausgeschrieben hatte. Ziel dieses Wettbewerbes war es, ein robustes Gegenstück zu den in Skandinavien zu der Zeit verbreiteten Drachen, Schärenkreuzern und 5 und 6 m R Yachten, als gesamt-skandinavische Klasse zu kreieren. Diese Klasse sollte Regatten segeln aber auch Platz für eine kleine Familie bieten und kostengünstiger zu bauen sein, als zum Beispiel die Drachen. Es sollte ein Boot für das Volk werden: ein "Folkeboot". Neben den genannten Bedingungen wurden als Baumaterial heimische Hölzer vorgeschrieben und der Ballast sollte aus Eisen sein, da Blei damals als kriegswichtiges Gut nicht zur Verfügung stand. Die Ausschreibung rief eine nicht erwartete, große Resonanz hervor: 59 Entwürfe wurden eingereicht, deren Auswertung die Jury vor erhebliche Probleme stellte. Keiner der eingereichten Konstruktionsentwürfe überzeugte die Jury wirklich. Konsequenterweise wurde kein erster Platz vergeben, sondern nur ein 2. bis 5. Platz. Auf der Basis dieser Entwürfe und unter Einbeziehung einzelner Konstruktionselemente entwickelten dann die Konstrukteure und Segelfunktionäre Prof. Ljungberg, Schweden, Baron Wedell-Wedellsborg, Dänemark und Ing. Senbäck, Finnland, die bereits der Jury angehört hatten, die Pläne, nach denen Tord Sunden schließlich Bauzeichnungen angefertigte. Sunden war ein Amateur- Yachtkonstrukteur, der beruflich bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich mit der Konstruktion von Schiffsschrauben befasst war. Bewusst entschloss sich die Jury, keinen bestimmten Namen mit den Entwürfen in Verbindung zu bringen, um die Rechte allein beim "Skandinavisk Sejlerforbund" zu belassen. Damit behielt der Seglerverband es in der Hand, frei über die Baulizenzen zu verfügen und die Pläne kostengünstig weiterzugeben. Außerdem konnte er so allein über eventuelle Modifizierungen entscheiden.

 

 

 

   
EINFACH GENIAL : DAS NORDISCHE FOLKEBOOT
Grundlage für das Nordische Folkeboot wurde der mit einem zweiten Platz ausgezeichnete Entwurf von Knud Olsen mit dem Namen SVANE, der insbesondere Form und Winkel des, für die damalige Zeit, ungewöhnlich abgehackt wirkenden Hecks des späteren Folkebootes prägte. Große Ähnlichkeit hatte das Folkeboot aber auch mit der kleineren dänischen Junior-Klasse von Aage Utzon aus dem Jahre 1927. Man entschied sich für die traditionelle nordische Schiffbauweise: Geklinkerte Rümpfe. Diese versprachen nicht nur eine hohe Rumpffestigkeit, sondern waren zu dem noch kostengünstig, sowohl im Einzelbau wie auch in der Fertigung von Großserien.
Das Interesse an der neuen Klasse war in ganz Skandinavien von Anfang an groß. Bereits vor Veröffentlichung der endgültigen Pläne gingen achtzig Bestellungen ein. Ein Prototyp entstand auf der Arendals Werft in Göteborg. Der Rumpf wurde, den Bauvorschriften entsprechend, aus nordischer Kiefer gefertigt. Kiel, Steven und Totholz bestanden aus Eiche. Der Rumpf bestand auf jeder Seite aus 16 Plankengängen von 14 mm Stärke. Der Eisenballast betrug 900 kg. Der hölzerne Steckmast erhielt seine Stabilität durch solide Beschläge. Auf jeder Seite wurde er mit einem Want abgestagt. Im Top fasste ein Achterstag und in zweidrittel Masthöhe setzte das Vorstag an. Die Segelfläche betrug 24m² und bestand aus Großsegel und Fock. Ein Spinnaker war nicht vorgesehen. In Schweden wurde er 1972 eingeführt, 1992 wieder gestrichen, und ist inzwischen wieder erlaubt. In allen übrigen europäischen Ländern war und ist ein Spinnaker bei Regatten aber weiterhin grundsätzlich verboten. Am 23. April 1943 wurde das erste Nordische Folkeboot und damit das erste Boot einer europäischen „One-Design-Klasse“, seinem Element übergeben und von allen, die es segelten mit Begeisterung aufgenommen. Das Konzept war aufgegangen.
 

 

 

 

DIE SEGELEIGENSCHAFTEN:

Ein Folkeboot kostete damals 3.500 Kronen - ein sehr erschwinglicher Preis. Dafür erhielt man ein Schiff, dass bei entsprechendem Wind (ab 3 Beaufort) schnell war, seegängig und robust und sich auch bei Windstärke 7 unter Vollzeug noch trocken segeln ließ. Es bot mit einer, wenn auch spärlichen, Ausstattung dennoch Platz zum Übernachten und erfüllte damit die Anforderung  als Tourenschiff ebenso geeignet zu sein, wie als Regattaschiff. Eine erfahrene Crew konnte viel aus dem kleinen Boot herausholen, einer unerfahrenen Crew verzieh es auch kleine Fehler.

Natürlich gab es auch Kritiker. Man bemängelte den zu hohen Freibord, stellte später jedoch fest, dass er der Mannschaft in dem nicht selbst lenzenden Cockpit Schutz bot und damit von großem Nutzen war. Aufgrund der fehlenden selbstlenzenden Plicht waren Folkeboote zunächst nicht für Verbandsregatten auf der Ostsee zugelassen. Dies änderte sich jedoch spätestens nach der ersten Transatlantik-Regatta 1960. Eine Wette (wie sollte es bei den wettbegeisterten Engländern auch anders sein) war Anlass für das erste Einhandrennen über den Atlantik in Ost-West Richtung, das erste „Ostar-Race“. Der spätere ‚Sir’, Francis Chichester, hatte um eine ‚Halfcrown’ gewettet, dass er ganz auf sich gestellt mit einem Segelboot den Atlantik überqueren könne.
 

 

 

 

 

   
An dieser Wettfahrt,
die die amerikanische Slocum-Society organisierte, nahmen vier Schiffe teil, von denen zwei Folkebootrümpfe hatten: die irische „Eire“ von Valentine Howells hatte ein Folkeboot Rigg, die englische „Jester“ von H.G. Hasler war, wie in England sehr verbreitet, karweel geplankt und hatte ein Dschunkenrigg. Beide bewältigten die 3000 sm lange Strecke wohlbehalten und ohne Havarie, die „Jester“ in  48 Tagen und 12 Stunden, die „Eire“  in  55 Tagen. Gewonnen hat zwar Chichester in einem wesentlich größeren Schiff in nur 14 Tagen, aber die Aufmerksamkeit der Welt richtete sich von da an auf die kleinen „Wunderboote“. Auch in den folgenden Jahren sollte es noch weitere spektakuläre Ozeanreisen mit Folkebooten geben, z.B. die eines britischen Eigners von England nach Haiti oder 1975 die Reise der damals 55-jährigen Ann Gash von Australien nach England und zurück. Sie segelte mit ihrem Folkeboot einmal um die Welt - um Verwandte in England zu besuchen. Ihre Erlebnisse hielt der englischsprachige Schriftsteller Tristan Jones in einem Buch mit dem Titel „A star to steer her by“, fest. Das Buch ist zur Zeit leider vergriffen (amazon. com und zvab. com). An der Seegängigkeit der Folkeboote jedenfalls bestand nach 1960 kein Zweifel mehr! 

 

 

   
 

 

 

 

 

 

 

 

Ann Gash

  Jester Eire  
           
DIE GRÖSSTE KIELBOOTKLASSE WELTWEIT!
Zunächst wirkte das Folkeboot gegenüber den ranken Schärenkreuzern, den aus Edelhölzern gebauten Drachen und mR Yachten mit ihren teilweise extremen Überhängen, plump, eher wie ein Arbeitsboot. Seine hervorragenden Segeleigenschaften überzeugten jedoch schnell alle Kritiker. Der Initiator des Konstruktionswettbewerbs, der Reeder Salén selbst, ließ als erster, auf eigene Rechnung, eine Großserie von 60 Schiffen bauen, die zu einer schnellen Verbreitung der neuen Klasse führte und von Anfang an große Regattafelder ermöglichte. Zehn Jahre später gab es allein in Schweden bereits 400 Folkeboote und alle bekannten schwedischen Segler hatten schon einmal die Pinne eines Folkebootes in der Hand gehabt. In Dänemark wurde das erste Folkeboot 1943 bei Börresen in Vejle gebaut. Die F D1 hieß „Peter Pan“ und wurde über die Toppen beflaggt auf dem Marktplatz in Horsens ausgestellt. Später fand die „Peter Pan“ ihren Weg in die USA und ist heute in San Francisco beheimatet. Bedingt durch die wirtschaftliche Lage der Kriegs- und Nachkriegszeit entwickelte sich der Bau von Folkebooten in Dänemark zunächst zögerlich, aber 1947 wurden bereits 23 Neubauten registriert, 1949 sogar 37 und 1950 formierte sich der Dänische Folkebootsklub, dem 1955 bereits 220 Boote angehörten. Dabei wurde die Verbreitung der Folkeboote in Dänemark vor allem auch durch den Ausverkauf heimischer Yachten in die USA gefördert, die dann durch Folkeboote ersetzt wurden. Und auch das Folkeboot selbst wurde zum Exportschlager. 83 Folkeboote wurden in den 50-iger Jahren in die USA verkauft, 12 nach Westdeutschland und je 2 nach England und Schweden. Auch in Finnland setzte sich das Folkeboot durch, nur in Norwegen konnte es nicht gegen das neue, rankere Knarrboot und den Drachen bestehen. Hier fanden sich auch noch 1964 nur vereinzelt Folkeboote. Heute gibt es aktive Folkeboot Flotten in Schweden, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, USA, Kanada, Holland, Belgien und Deutschland. Es gibt Folkeboote in Australien und der Schweiz, selbst in Russland soll es ca. 100 Folkeboote geben und 30 in Polen. Weltweit ist das Folkeboot heute die größte Kielbootflotte.

 

 

 

 

 

 

 

 

   
„AMSEL, DROSSEL, FINK UND STAR....“
In Deutschland fanden die Folkeboote vor allem in den späten 50-iger und frühen 60-iger Jahren viele Anhänger, besonders, nachdem die Klasse 1958 als ‚anerkannte ausländische Klasse’ offiziell Verbandswettfahrten segeln durfte. Das erste in Deutschland registrierte Folkeboot, die FG-1, war 1957 die „Töchting“ von Dr. Nahrgang aus Kiel. Das erste Folkeboot auf der Flensburger Förde war die Segelnummer FG-3, die „Kiekut“ von W.Petersen von der Segler Vereinigung. Die Bundesmarine wählte die Folkeboote als Ausbildungsschiffe. 1958 wurden 6 auf der Eberhard-Werft an der Schlei gebaute Schiffe in Dienst gestellt, die Nummern FG-10 bis 16: „Amsel“, „Drossel“, „Fink“ und „Star“, „Meise“ und „Zeisig“. 1959 folgte dann der Rest der „ganzen Vogelschar“: 6 auf der Vertens-Werft gebaute Schiffe: FG-19, FG-20 und FG-22-25: „Stieglitz“, „Lerche“, „Dompfaff“, „Nachtigall“, „Pirol“ und „Kuckuck“. Auch die Isaak-Werft auf den Ochseninseln baute Folkeboote und die Yachtschule fertigte zwei Eigenbauten, die „Frauke“ und die „Wiebke“. 1961 nahmen 26 Folkeboote an der Kieler Woche teil, von denen 12 Deutsche waren. 1962 waren es bereits 51 Boote. Im gleichen Jahr hatte die Schlichting Werft eine 10er Serie auf den Markt gebracht, die damals segelfertig 19.950 DM kostete und von denen sich noch heute fast alle im Yachtregister (www. FKY.org) finden. Auch die Eberhard Werft legte eine größere Serie von Folkebooten auf. Baumaterial war nach wie vor Kiefer, mit Eichenspanten und einem Eisenkiel von inzwischen 1000 kg. Damit war man dem Grundsatz treu geblieben, vor allem heimische Hölzer zu verwenden und nur Spiegel, Wasch- und Scheuerleisten, Cockpit und Kajütaufbauten aus Mahagoni zu fertigen.
 
Im gleichen Jahr wurde in Schleswig die „Deutsche Volksboot-Vereinigung“ gegründet. Damals wurde das ‚Folkeboot’ in Deutschland noch als ‚Volksboot’ bezeichnet, erst 1967 benannte sich die Volksboot-Vereinigung um in „Deutsche ‚Folkeboot’-Vereinigung“. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch unser Vereinsmitglied Walter Thurner.
Heute gibt es in Deutschland 11 Flotten mit 448 im Register der Deutschen Folkeboot Vereinigung eingetragenen Schiffen (Stand 2001): Berlin (99), Bodensee (33), Eckernförde (13), Essen (69), Flensburg (21), Hamburg (46), Kiel ( 65), Lübeck (44), Möhnesee (19), Schlei (20) und Bremen mit Mecklenburg-Vorpommern und Sonstigen (19). Insgesamt rechnet man, dass in Deutschland ca. 800 Folkeboote segeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
FOLKEBOOTE UND DER FSC

Das erste Folkeboot im Flensburger Segel-Club, die FG-7 „Ostwind“ gehörte Gerhard Elsner der es im Jahre 1958 erwarb. Ein Jahr später folgte Walter Thurner mit der , „Brise“ (FG-29) und 1963 der spätere Vorsitzende der „Deutschen Folkeboot Vereinigung“ Dr. Hartwin Jepsen mit seiner ersten „Sundari“ einem Thorkild Lind Bau. Während der Kieler Woche 1962 hatte Jepsen auf der „Mira“ von Dr. Frercks als Vorschoter gesegelt und war fortan offensichtlich infiziert. Auch die zweite „Sundari“ aus dem Jahr 1971 ist eine dieser wunderschönen Vollholz Lind-Bauten, etwas ganz Besonderes. Die wohl bekanntesten Schiff der Flensburger Flotte sind aber die „Sol-Lie’s“ von Andreas Christiansen. Mit seiner ersten „Sol-Lie“ gewann er im Jahre 1973 vor Travemünde den „Goldpokal“ gemeinsam mit seinem Bruder Knud und Andreas Stuhr-Christiansen. Der Goldpokal ist die wichtigste internationale Trophäe der Folkebootsegler, auf die an anderer Stelle noch näher eingegangen werden wird. Die dritte „Sol-Lie“, die FG 308, mit der Christiansen noch heute erfolgreich segelt, erwarb er 1989. Sie ist ebenfalls ein Vollholz Schiff von der renommierten Lind-Werft, das 1971 für berühmten Handballspieler und begeisterten Folkebootsegler Hein Dahlinger gebaut worden war.  Mit allen drei Booten gelangen Andreas Christiansen, der von 1988 bis 1993 auch Vorsitzender der Deutschen Folkeboot Vereinigung war, viele hervorragende Platzierungen bei großen Wettfahrten.  Im Jahr nach dem Gewinn des Goldpokals durch die „Sol-Lie“ Crew, 1974,  richtete der FSC die Deutsche Meisterschaft der Folkebootsegler aus, auch hier gewann die „Sol-Lie“. Seitdem stehen beim  FSC regelmäßig Wettfahrten der Folkeboote auf dem Programm. Christiansen war und ist weiter erfolgreich. 1983 reiste er mit eigenen Segeln im Gepäck zur Teilnahme an den internationalen Meisterschaften nach San Francisco, wo ihm ein Boot gestellt wurde - ein Folkeboot aus dem Jahre 1948. Mit diesem 35 Jahre alten Schiff erreichte Christiansen in einem Feld von 26 Teilnehmern einen beachtlichen vierten Platz. Vielleicht war es ja der Rumpf, den Al Larsen, Sohn des bekannten New Yorker Segelmachers Louis J. Larsen, als einen der ersten, 1948 als GI aus Europa zurückkehrend, in die USA mitgebracht hatte...? Der gute Platz, den Christiansen mit diesem „Veteranen“ erzielte, war sicherlich ein erneuter Beweis für sein seglerisches Können, vor allem aber für die nahezu zeitlose Konkurrenzfähigkeit auch älterer Folkebootrümpfe. Bis heute segelt Christiansen mit seiner „Sol-Lie“ erfolgreich auf allen Regattabahnen. In diesem Jahr nahm er mit seiner Crew Haymo Jepsen und Sven Anderßen beim Goldpokal in Fredericia teil und belegte erneut einen respektablen Platz. Als Vorsitzender der Deutschen Folkeboot Vereinigung bereitete Christiansen auch die Gründung der internationalen Folkebootvereinigung, der NFIA (Nordic Folkeboat International Association) mit vor. 1994 schlossen sich in ihr Schweden, Dänemark, Deutschland und Großbritannien zur Förderung des Segelsports zusammen. Die Zahl der Folkeboote im Flensburger Segel-Club wuchs im Laufe der Jahre kontinuierlich auf jetzt 25 an und es werden jedes Jahr mehr. Inzwischen liegen sie, wenn sie nicht gerade segeln, für jedermann sichtbar, eines neben dem anderen an der Pontonbrücke des FSC, wie Perlen an einer Schnur - ein schönes Bild!

 

 

Andreas Christiansen

beim Goldpokal 2004 in Apenrade

 

 

 

 

 

   
DER GOLDPOKAL
Der Goldpokal ist die Trophäe für die bedeutendste internationale Wettfahrt der Folkeboote - ihre inoffizielle Weltmeisterschaft. Der Pokal wurde 1963 von dem Lübecker Senator Hagelstein in Erinnerung an seinen Vater, den Konsul Hans Hagelstein gestiftet, „zur Förderung des internationalen Segelsports.“ Das Besondere: der Pokal besteht aus purem Gold: 1 kg  985er Gold. Er darf nicht graviert werden. Die Gewinner werden auf einer Pergamentrolle eingetragen, die im Innern des Pokals verwahrt wird. Aufgrund des außerordentlichen Wertes des Pokals ist auch verfügt worden, dass der Pokal in einem besonderen Behältnis in einem Banksafe aufzubewahren ist. Außerdem war er mit einem sehr attraktiven „Zusatzpreis“ verbunden, einem werftneuen Schlichting-Folkebootes! Gewinner des Pokals ist jeweils der Verein, dem der Sieger angehört. Erst wenn der Pokal 6 Mal hintereinander von dem gleichen Club gewonnen wird, geht er in das Eigentum des Vereines über. Dies gelang in der jetzt fast 40 jährigen Geschichte des Pokals erst 2 Mal, einmal im Jahre 1974 durch den Köbenhavn Amatör Sejlklub, durch die Gebr. Hjort und dann 1982 durch den Kerteminde Sejlklub, für den Erik Andreasen (Mr. Folkeboot) den Pokal allein 5 Mal hintereinander gewann. Erfreulicherweise erfolgte jeweils eine Neustiftung des Pokals. Austragungsort sollte ursprünglich entweder Travemünde oder ein dänischer Austragungsort sein. Diese Regelung wurde inzwischen erweitert. Nach Mehrheitsentscheidung kann die Austragung der Goldpokalregatten auch in andere Länder vergeben werden. Und auch in Deutschland kamen andere Orte hinzu. So wurde der Goldpokal 1976 erstmals in Marstrand in Schweden ausgetragen. Im Jahre 1984 übernahm der Flensburger Segel-Club aus Anlass des 700- jährigen Stadtjubiläums der Stadt Flensburg die Ausrichtung dieser bedeutenden Wettfahrt. Die Organisatoren wurden damals durch einen wahren Melderekord überrascht: 96 Boote meldeten, allein 8 aus den USA! Mit einem so großen Feld drohte es schwierig zu werden, eine reibungslose Veranstaltung durchzuführen. Daher suchte man nach einer Lösung und entschloss sich kurzerhand zunächst Qualifikationsregatten zu segeln, um so das Feld zu verkleinern und damit bessere Wettfahrtbedingungen zu schaffen. Schließlich wurde in zwei Gruppen gesegelt, eine segelte um den „Goldpokal“ und in einer zweiten Gruppe wurde um einen eigens gestifteten „Silberpokal“ gesegelt. Sieger des Goldpokals wurde der Segel-Club Eckernförde durch  die „Mareike“ von Horst Dittrich, der mit Hartvig Sulkiewiez und Peter Lehr segelte. Andreas Christiansen hatte zusammen mit Gerd Kall und Wolfgang Ewert bis zuletzt Aussicht auf den Gesamtsieg, musste sich dann aber nach einer packenden letzten Wettfahrt mit einem 4. Platz begnügen.
Insgesamt gelang es deutschen Crews, bzw. Vereinen 6 Mal den Goldpokal zu gewinnen:
 
1963 in Travemünde siegte      FG 105 „Daddel“
Bruno Splieth mit Hein Dahlinger und Frieder Heinzel,
Kieler Yacht-Club
1973 in Travemünde                FG 206 „Sol-lie“
Andreas Christiansen mit Knud Christiansen und Andreas St. Christiansen, Flensburger Segel-Club
1984 in Flensburg                    FG 539 „Mareike“
Horst Dittrich mit Hartvig Sulkiewiez und Peter Lehr,
Segel-Club Eckernförde
1987 in Lynaes                        FG 299, „Sagitta“
Walter Muhs, mit Norbert Jürgensen und Hans-Jürgen Duggen,
                                               Schlei Segel-Club
1990 in Travemünde                FG 574 „Lord Jim“
Horst Schultze mit Peter Przywarra und Karl Rath,
Kieler Yacht-Club
2000 in Eckernförde                FG 739 „Ylva“
Ulf Kipcke mit Dieter Kipcke und Gero Martens,
Kieler Yacht-Club
 

 

 

 

1984 wurde der Goldpokal
durch den Flensburger
Segel-Club ausgerichtet

 

 

Hein Dahlinger

   
"FOLKBOAT FOREVER YOUNG"

Auch wenn das Folkeboot die Zeiten auf den ersten Blick nahezu unverändert überdauert hat, so hat es sich doch nie moderneren Materialien gegenüber verschlossen gezeigt. Waren die Bauvorschriften zu Beginn noch auf einer Din A4 Seite zusammengefasst, so gibt es inzwischen ein neunzehnseitiges Regelwerk. Besonders hervorzuheben ist dabei wohl die Einführung von Kunststoffsegeln 1958, die nach heftiger Diskussion gestattet wurde, ebenso, wie 1962 der Ersatz von galvanisiertem Stahl für das stehende Gut durch Chromnickelstahl. Spektakulär war 1977 die Legalisierung von Kunststoffrümfen durch den Skandinavischen Segler-Verband. Zuvor hatten schon Kunststoff-Drachen, Star- und H-Boote die Regattabahnen erobert. 1974 hatte Sven Svensson in San Francisco noch ohne Segen der Klassenvereinigung ein erstes Folkeboot aus GFK gebaut. Dies animierte den Gold-Cup Sieger des Jahres 1975, Erik Andreasen, seine TIBBE (eine Lind-Konstruktion) in Kunststoff nachzubauen. Mit diesem Kunststoff- Folkeboot (manche nannten sie damals „Tubberware“) nahm er 1976 erstmals an einer Kieler Woche teil. Dabei zeigte sich, dass ihre Eigenschaften absolut vergleichbar mit denen der Holzboote waren, wichtiger noch, die Kunststoffrümpfe waren den Holzrümpfen nicht überlegen. Vor allem letzteres ebnete wohl GFK als Baumaterial den Einzug in die Folkebootklasse, wo es schnell den Markt eroberte. Nur  der Mast musste weiterhin aus Holz sein. Während ein Holzneubau damals ca. 40.000 DM kostete, war ein GFK-Boot bereits für 29.000,- DM zu haben. Einen Ausbausatz gab es bereits für 22.000,-DM. In jüngster Zeit wurde nun auch die Einführung von Alumasten diskutiert. Inzwischen sind sie auch bei Regatten zugelassen, sofern keine Unterschiede zum bisherigen Rigg auftreten. Das bedeutet allerdings, daß der Alumast seine Vorteile, die vor allem aus der Gewichtsersparnis resultieren, wieder eingebüßt, wenn diese ausgeglichen werden müssen. Zudem gilt der Holzmast aufgrund seiner Verjüngung als besser trimmbar, ganz abgesehen davon, dass er schöner aussieht!? Manche munkeln gar, dass die Diskussion um Aluminium schließlich noch durch die um Karbon als Baumaterial für Masten überholt werden wird... man wird sehen. Eines aber ist sicher, auch die Diskussion um dieses Thema wird die Folkeboot Segler nicht entzweien. In aller Welt sind sie eine eingeschworene Gemeinschaft. Mit und ohne das eigene Schiff trifft man sich rund um den Globus bei Regatten, ob in San Francisco, in Irland, in Marstrand, in Eckernförde, Berlin oder Flensburg und dann wird weiter diskutiert, aber vor allem gesegelt und gefeiert. So wie anlässlich des 50-jährigen Bestehens ihrer Klasse 1992 in Marstrand in Schweden, wo die Touristen große Augen machten, als sich ein langer fröhlicher Festmarsch, begleitet von Trommlern und Pfeifern, aufmachte, die Festung zu stürmen. Auch der betagte Konstrukteur Tord Sunden war bei diesem Ereignis noch einmal anwesend und ließ sich gebührend feiern. 66 Schiffe waren angereist, per Trailer, aber auch auf eigenem Kiel. Aufgrund der teueren Lebenshaltungs-kosten in Schweden versorgten sich viele selbst und lebten an Bord, so wie damals, bei den ersten Teilnahmen bei der Kieler Woche, wo das Wohnen an Bord noch zu den bemerkens-werten Besonderheiten dieser Klasse zählte. Und auch hier zeigte sich wieder, dass Alter bei den Folkebooten keine Rolle spielt: Das älteste angereiste Folkeboot, FS4, konnte in diesem großen Feld durchaus mithalten. Sieger wurde schließlich wieder einmal „Mr. Folkeboot“, Erik Andreasen aus Kerteminde. Aus Flensburg hatten sich 4 Eigner mit ihren Schiffen auf den Weg gemacht, Gerd Augustin, Andreas Christiansen, Haiko Schmidt und Martin Meesenburg, der mit seiner schwedischen Frau Annsofie an Bord einen kleinen Heimvorteil genoss. In diesem Jahr nun wurde das 60-jährige Jubiläum überall auf der Welt gebührend gefeiert und sicherlich werden sich auch in Zukunft noch viele Gelegenheiten bieten zusammenzukommen, zu segeln und zu feiern, denn: wie war das Motto der Folkeboot-Segler noch? „Folkboat forever!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Christiansen und
seineSolie- die perfekten
"Botschafter" der Flotte
Flensburg

   
   

Verwendete Literatur:

-         Klaus Kramer „Die Geschichte des Nordisches Folkebootes“ (Internet: www. Geschichte des Nordischen Folkebootes. de, Das Nordische Folkeboot – Geschichte einer internationalen Einheitsklasse, Artikel in „Der Palstek“)

-         Dieter Loibner „The Nordic Folkboat, Folkboat History highlights, 2000” (internet)

-         Tillmann Frank, “Regattasegeln” in 100 Jahre Flensburger Segel-Club, S. 38-56, 1990

-         Nordisches Folkeboot: 60 Jahre Segelspaß pur (Heft zum Jubiläum 2002)

-         Folkebads Nyt Saernummer 2002 Folkebadens historie,  S. 5-7

-         Folke News Nr. 3/92 S. 12-14, „Zum Geburtstag des Folkebootes, Marstrand 1992, Beitrag von Gerd Kall

-         „Nichts für Kunststoff-Muffel: Das Folkeboot aus GFK“ von Georg Nissen,

Die Yacht 3, 1978, S. 39-41

-         „Folkeboote gehen noch lange nicht in Rente“ aus der Seglerzeitung, 7, 1998

 

Vielleicht auch lesenswert?

-         Tristan Jones, „A Star to steer her by“, über Ihre spektakuläre Weltumsegelung im Folkeboot... (zur Zeit leider vergriffen)

 

 Flensburg, 12.11.02, Belinde Diethelm

Die größte Kielboot Einheitsklasse der Welt, forever young!